Persönlichkeiten, die sich um Bergedorf und Umgebung verdient gemacht haben

(Auswahl von Harald Richert)

Albrecht Graf v. Orlamünde (1183 - 1245)

Der zum Fürstenstand gehörende Askanier und Neffe des zeitweilig siegreichen Dänenkönigs Waldemar, wurde von diesem mit den Grafschaften Holstein und Stormarn belehnt und regierte bis 1227. Er schuf die Alte Holstenstraße, das Billebassin, die Kornwassermühle und schuf vermutlich die Voraussetzungen zum Bau des Bergedorfer Schlosses.

 

Johann I, Herzog von Sachsen und Lauenburg (um 1248 - 1286)

Aus dem Geschlecht der Askanier. Ab 1260 regierender Herzog in Lauenburg, verlieh 1275 dem Flecken Bergedorf das Stadt- und Marktrecht. Bis 1420 gehörte Bergedorf (mit Unterbrechungen) zum Herzogtum Sachsen-Lauenburg; das Schloss war vorübergehend herzogliche Residenz.

 

Dr. Joachim Petersen (1611 - 1658)

Sohn und Bruder jeweils eines Bergedorfer Bürgermeisters, wurde Hamburger Syndicus und Gesandter in London, wo er mit 47 Jahren verstarb. In seinem Testament vermachte er ein Legat von 1.000 Mark , aus dessen Zinsen jährlich das "Joachimsgeld" an die Armen in Bergedorf ausgezahlt wurde.

 

Jochim Arnoldi (1629 - 1684)

Von 1660 bis 1684 Amtschreiber, verfügte in seinem Testament ein Legat für Bergedorfer Kirchenmusiker und vermachte seinen Hof zugunsten der Armen: aus dem Erlös wurde ein Armenhaus "Jochimsthal" errichtet, von dem ein Nachfolgebau als Altersheim noch heute in der Wentorfer Straße besteht.

 

Johann Adolf Hasse (1699 - 1783)

Text: Hans Mende

"Il caro Sassone" (Der verehrte Sachse)
Einer der berühmtesten Söhne der Stadt Bergedorf - wenn nicht gar ihr berühmtester - war der Komponist Johann Adolf Hasse. Er wurde im März 1699 in Bergedorf geboren. Der genaue Geburtstag ist unbekannt. Der Eintrag in das Taufregister von St. Petri und Pauli stammt vom 25. März 1699. Sein Geburtshaus steht noch heute - unmittelbar neben St. Petri und Pauli. Es ist Rundgebäude links neben der Kirche, in dem auch die Hasse Gesellschaft Bergedorf residiert.
Hasse hat nur wenige Jahre in seiner Geburtsstadt gelebt. Er verließ Bergedorf früh und wurde zunächst in Hamburg zum Sänger (Tenor) ausgebildet. Seine ersten Bühnenauftritte als Tenor hatte Hasse in der "Oper am Gänsemarkt" in Hamburg. Nächste Station war das Braunschweiger "Opernhaus am Hagenmarkt". Hier wurde seine erste Oper "Antioco" am 11. August 1721 uraufgeführt, in der Titelrolle: Johann Adolf Hasse.
Zur Vervollständigung seiner Ausbildung als Komponist studierte Hasse von 1722 bis 1725 in Neapel, u.a. bei Alessandro Scarlatti. Dort wurde er schnell bekannt. Berühmte Interpreten wie der bis heute unvergessene Kastrat Farinelli oder die Sopranistin Faustina Bordoni, seine spätere Frau, sangen seine Werke.
Die längste zusammenhängende Zeit seines Musiker- und Künstlerlebens verbrachte Hasse am Kursächsischen Hof in Dresden. Der sächsische Kurfürst und polnische König Friedrich August I. (der Starke) hatte Hasse zum "Königlich Polnischen und Kurfürstlich Sächsischen Kapellmeister" ernannt. Um diese Anstellung soll sich auch kein Geringerer als Johann Sebastian Bach beworben haben. Als Hasse am 1. Dezember 1733 offiziell seinen Dienst in Dresden antrat, war August der Starke gestorben. Sein Sohn war als Friedrich August II. von Sachsen neuer sächsischer Kurfürst und König von Polen. Hasse wirkte 30 Jahre in Dresden. Die letzten 20 Jahre seines Lebens verbrachte Hasse in Wien und Venedig.
Johann Adolf Hasse war der wohl bedeutendste Komponist seiner Zeit. Er war so berühmt, dass der junge Mozart einmal geschrieben hat, er wünsche sich, einst so berühmt zu sein wie Hasse. Die musikbegeisterten Italiener haben Hasse den Beinamen "Il caro Sassone" (Der verehrte Sachse) verliehen in Anspielung auf dessen 30jährige Tätigkeit am sächsischen Dresdner Hof.
Als Hasse am 16. Dezember 1783 im für die damalige Zeit hohen Alter von 84 Jahren in Venedig starb, hinterließ er mehr als 60 Opern, Intermezzi, Oratorien, Kirchenmusiken, Kantaten und Instrumentalmusiken. Er ist in Venedig in der Kirche San Marcuola begraben (zweites Bild oben).
Seine Geburtsstadt Bergedorf ehrt ihren großen Sohn mit der Hassestraße, dem Johann-Adolf-Hasse-Platz (vor seinem Geburtsthaus und vor St. Petri und Pauli) sowie mit der Hasse-Aula in der Hassestraße.

Hasse im Internet:
Hasse-Gesellschaft Bergedorf: http://www.hasse-gesellschaft-bergedorf.de
Hasse-Gesellschaft München: http://www.hasse-gesellschaft-muenchen.de

 

Ein französischer Fourier

Er rettete wahrscheinlich Bergedorf vor dem Schicksal niedergebrannt zu werden. Zur Abwehr der in dem Freiheitskrieg gegen Napoleon vorrückenden Verbündeten befahl Marschall Davoût u.a. die Sprengung der Serrahnbrücke. Auf Einlassung des Fouriers, die Bergedorfer hätten französische Verwundetete menschlich behandelt, wurde der Befehl zurückgenommen (1.12.1813).

 

Dietrich Wilhelm Soltau (1745 - 1827)

Dietrich Wilhelm Soltau - Kaufmann und Literaturwissenschaftler 
Dietrich Wilhelm Soltau, geb. 1745 in Bergedorf, erhielt bis zu seinem 16. Lebensjahr eine recht umfassende Bildung. Anschließend wurde er in Hamburg zum Kaufmann ausgebildet und gelangte über London nach St. Petersburg, wo er zuletzt Teilhaber des Handelshauses der Gebrüder Meybohm war. Schon früh zeigte sich bei Soltau eine außergewöhnliche Sprachbegabung, die es ihm nicht nur ermöglichte erfolgreich Handel zu treiben, sondern darüber hinaus auch schriftstellerisch tätig zu sein. Zu seinen bedeutendsten Werken neben der hochdeutschen Fassung des Reineke Fuchs zählen die Übersetzungen von Boccaccios Decameron und Cervantes' Don Quixote. Soltau bezeichnete sich selbst nie als guten Kaufmann, da seine wahren Interessen stets im kulturellen Bereich lagen. So manche Stunde rang er den Geschäften hierfür ab. Sein Erfolg als Kaufmann gestattete es ihm, sich bereits 1798 als Privatmann in Lüneburg niederzulassen und sich fortan nur noch seiner schriftstellerischen Tätigkeit zu widmen. 1801 verlieh ihm die Universität Wittenberg den Doktortitel. In der Zeit der Befreiungskriege diente er als Übersetzer dem Rat der Stadt Lüneburg. Als angesehener Bürger und Ratmann starb er dort 1827. Sein Geburtshaus in Bergedorf steht noch heute.

Soltau im Internet: http://www.soltauhaus.de

 

Dr.Bernhard Lindenberg (1781 - 1851)

Er war 37 Jahre lang Amtsverwalter in Bergedorf (1814-51), dem Bergedorf die Rettung des Bergedorfer Schlosses vor drohendem Abriss, den Ausbau der Kampchaussee, die Erhaltung der "Bergedorfer Gehölzes" und die Förderung der Eisenbahnverbindung Hamburg-Bergedorf-Berlin verdankt. Sein Grabstein befindet sich auf dem alten Bergedorfer Friedhof am Gojenbergsweg.

 

Georg Friedrich Ritter ( 1800 - 1879)

Er kam aus seiner Thüringer Heimat 1825 als Hauslehrer nach Kirchwerder und war dann von 1829 bis 1872 Rektor der Bergedorfer Stadtschule. 1838 gründete er die Bergedorfer Liedertafel, die er fast 40 Jahre lang leitete. Er war Mitbegründer des Niedersächsischen Sängerbundes und des Bergedorfer Bürgervereins. Sein Grabstein wurde erst 2012 auf dem alten Bergedorfer Friedhof am Gojenbergsweg wieder aufgerichtet, nur wenige Meter von seinem ursprünglichen Grab entfernt, welches einem Neubau weichen musste.

 

Wilhelm Bergner ( 1835 - 1904)

Der Fabrikant verlegte seine 1859 gegründete Maschinfabrik von Geesthacht nach Sande (1864, ab 1867 "Bergedorfer Eisenwerk") und wurde der Wirtschaftspionier Bergedorf-Lohbrügges. Er schuf eine werkseigene Kranken- und Sparkasse, moderne Arbeiter Wohnungen, förderte den Bau der Sander Kirche und rettete durch Ankauf die Windmühle an der heutigen Chrysanderstraße.

 

Dr. Ernst Mantius (1838 - 1897)

15 Jahre lang Bürgermeister in Bergedorf ab 1882. Er machte das ländliche Städtchen zur modernen, zukunftsorientierten Stadt, indem er den Grund für ihre Intrastruktur legte: Straßenbau, Kanalisation, Müllabfuhr, Errichtung von Wasser- und Elektrizitätswerk, Grünanlagen und Schulbauten waren sein Werk. Sein Grabstein befindet sich auf dem alten Bergedorfer Friedhof am Gojenbergsweg.

 

Andreas Spiering (1842 - 1914)

Der Handelsgärtner legte mit seiner umfassenden Sammlung von Bergedorfensien den Grund für die Heimatsammlung des hiesigen Bürgervereins und damit für das heutige Museum im Schloss. Zugleich baute er dessen Bücherei auf, veranstaltete Vorträge und förderte die Heimatforschung, auch war er Mitbegründer der Hasse-Gesellschaft von 1910.

 

Prof. Justus Brinkmann (1843 - 1915)

Gründer und Direktor des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe, wohnte zuletzt mit seiner Frau, einer Malerin und Zeichenleherin in Bergedorf. Er betreute die Denkmalpflege in den Vierlanden. Ihm verdankt Bergedorf u.a. auch die Erhaltung der zum Abriss bestimmten historischen Herberge "Stadt Hamburg"

 

Carl Grau (1854 - 1934)

Der Kapellmeister wurde 1908 durch Andreas Spiering (s.d.) auf die von diesem entdeckten Notenmanuskripten des fast vergessenen Johann Adolf Hasse aufmerksam gemacht. Grau erkannte ihre Bedeutung und sah fortan in der Wiedererweckung Hassescher und auch Händelscher Musik sein Lebensziel. Er wurde Dirigent der 1910 gegründeten Hasse-Gesellschaft und leitete bis 1932 fast 120 Konzerte, was Bergedorf den Ruf einer "Musikstadt" eintrug.

 

Georg Staunau (1856 - 1913)

Gerichtsschreiber in Bergedorf und Hamburg, auch Gründer einer Maklerfirma, schuf die erste große und reich illustrierte Chronik Bergedorfs (1894), veröffentlichte über Grundbesitz und Grundbücher im Beiderstättischen Amt (1905) und schrieb zahlreiche heimatgeschichtliche Beiträge für die Bergedorfer Zeitung.

 

Elisabeth Thomann (1856 - 1919)

Geb. Harmsen, Ehefrau des Sparkassendirektors und Vorsitzenden des Bürgervereins, auch Bürgervertreters Paul Thomann, engagierte sich stark als Armenpflegerin, widmete sich der Jugendfürsorge und Eheberatung und war 1. Vorsitzende des Vaterländischen Frauenvereins Bergedorf. Sie trat mit Heimatgedichten und plattdeutschen Festspielen hervor und verfasste das einst sehr bekannte "Bergedorflied"

 

Hans Förster (1885 - 1966)

Maler, Grafiker und Heimatschriftsteller, begraben in Neuengamme. Er machte mit seinen Büchern (u.a. "Die malerischen Vierlande", Malerische Marschen in Wort und Bild") durch Text und Federzeichnungen aufmerksam auf Schönheit und Kulturgut der niederdeutschen Heimat sowie ihrer plattdeutschen Sprache.

 

Dr. Kurt A. Körber (1909 - 1992)

Fabrikant, Gründer der HAUNI-Werke, Ehrenbürger Hamburgs, sah es als wichtigstes Ziel an, für das Gemeinwohl zu wirken. Allein für Bergedorf errichtete er u.a. die Behrmann-Stiftung als Alters- und Pflegeheim, den "Bergedorfer Gesprächskreis", die Stiftung Ingenieurschule, das Senioren-Centrum "Haus im Park" mit dem Theater für Aufführungen und Konzerte etc.